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Die Zukunft des "halböffentlichen Parks"

Marthashof, Stofanel und kein Ende

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Oderberger Dreieck
 

Vom Stadtpark zur Privatisierung

Sanierungsgebiet Teutoburger Platz

vor ort 11 2006

Neues Sanierungsziel

Von A.Molle

Baulücke Schwedter Straße 37-40 wird mit Wohnungen bebaut, umstrittene Nutzung der Grund-stücksbrache Schwedter Straße 37-40 im Sanierungsgebiet Teutoburger Platz.

Für die insgesamt 12.390 m² große Fläche, die sich bis 1968 im Eigentum der Evangelischen Kirche befunden hatte, danach von einem DDR-Handelsunternehmen mit Baracken bebaut worden war, nach der
Wende in Bundeseigentum überführt wurde und heute zu den letzten größeren Baugrundstücken in Prenzlauer Berg zählt, ist das Sanierungsziel schon mehrmals geändert worden.

Zunächst musste die 1994 verkündete Absicht, auf dem Areal, auf dem 1858 die evangelische Mädchenanstalt »Marthas Hof« gegründet worden war, einen Schulneubau zu errichten, 1998 wegen sinkender Schülerzahlen aufgegeben werden. Danach wollten dort zwei damals in der Kastanienallee ansässige Biotechnologiefirmen expandieren, wofür das Sanierungsziel gegen die vehementen Proteste einer Bürgerinitiative, die einen Stadtpark forderte, in »Neubau Gewerbe und Wohnen« umgeändert wurde.

Außerdem plante der Bezirk, auf einem Viertel des Areals eine öffentliche Grünfläche mit Spielplatz anzulegen. Doch auch daraus ist nichts geworden. Während die beiden Startup-Unternehmen ihr Vorhaben wegen der damit verbundenen Finanzierungsprobleme aufgeben mussten, scheiterte der Erwerb der für den Spielplatzbau benötigten Teilfläche durch das Land Berlin am vom Bund geforderten Kaufpreis.

BVV interveniert

Doch nach fünfjähriger »Pause« ist jetzt wieder Bewegung in die leidige Angelegenheit gekommen. Die in Berlin-Mitte ansässige Stofanel Investment GmbH, die die Grundstücke Schwedter Straße 37-40 im Juli für 4,2 Millionen EUR von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BIMA) erwarb, plant auf der Brachfläche nun familiengerechten Wohnraum mit hohem Grünanteil.

Das Vorhaben, für das der Standort nahe der Kastanien- allee und des Mauerparks ideale Voraussetzungen bietet, erfordert natürlich eine erneute Sanierungszieländerung. Das Bezirksamt möchte sie auch diesmal zügig vornehmen, zumal die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung beabsichtigt, für das Areal im Rahmen eines Gutachterverfahrens möglichst optimale bauliche Lösungen zu entwickeln.

Der erste Anlauf ist jedoch Ende September gescheitert. Mit großer Mehrheit entsprach die BVV Pankow einem von der SPD-Fraktion initiierten Antrag des Stadtentwicklungsausschusses, das Verfahren zur ûnderung der Sanierungsziele für das Grundstück bis zum Abschluss des Gutachterverfahrens, an dem sich vier Architektenbüros beteiligen sollen, ruhen zu lassen. Die BVV teilt zwar das Ziel, die Fläche für Wohnbebauung zu entwickeln, hat das Bezirksamt jedoch aufgefordert, im Gutachterverfahren darauf zu drängen, dass auf dem Areal auch Parzellen für familienfreundliches Bauen durch Baugemeinschaften vorgesehen werden und der Investor eine öffentlich zugängliche Grünfläche anlegt. Außerdem sollen auch der BVV-Ausschuss für Stadtentwicklung und die Betroffenenvertretung Teutoburger Platz, die der neuerlichen Sanierungszieländerung bislang nicht zugestimmt hat, am Verfahren beteiligt werden.

...Das mit ca. 12.500 m² größte Grundstück im Gebiet, der ehemalige Marthashof an der Schwedter Straße soll gemeinsam mit einem privaten Investor als Wohnstandort entwickelt werden. Im Rahmen eines kooperativen Gutachterverfahrens werden die Sanierungsziele für das Grundstück qualifiziert...

SCHEINSCHLAG Ausgabe 06/2000

Biotechnik statt Biotop

Mangelhafte Kommunikation

Interview mit Karin Ludwig, Sprecherin der Betroffenenvertretung Teutoburger Platz

...Jetzt wollen wir verhindern, dass die Brache an der Schwedter Straße 41-.44 eben keine so rasante Stadtvillenbebauung bekommt, wie es dem Sanierungsbeauftragten im Bezirk, der S.T.E.R.N.-GmbH, vorschwebt. Wir wollen langfristig einen richtigen Park dort haben. Man kann nicht einfach sagen, es ist eh kein Geld da, also geben wir das Grundstück zur Bebauung frei. Mit dieser Gelddiskussion kann man jedes Konzept stürzen und alles blockieren. Langfristig gedacht sind das Fehler und deshalb sollte der erste Schritt darin bestehen, sich grundsätzlich für diesen Park zu entscheiden und dann peu á peu die notwendigen Mittel zu organisieren. Wir haben die Anwohner in diesem Kiez dort zu einer Informationsveranstaltung eingeladen, bei der S.T.E.R.N. und auch wir die jeweiligen Vorstellungen unterbreitet haben. Daraus ist eine Bürgerinitiative entstanden, die sich für den Schwedter Stadtpark engagiert. Als nächstes wäre eine öffentliche Erörterung zur ûnderung des Sanierungszieles auf dem Grundstück notwendig, denn die hat es auch noch nicht gegeben...

SCHEINSCHLAG Ausgabe 04/1999

Schwedter Stadtpark im Oderberger Dreieck

Bausteine zur Grünvernetzung zwischen Teutoburger Platz und Mauerpark

...Als Sanierungsziel für dieses Grundstück war eine Schule und eine Kindertagesstätte vorgesehen. Da der Bedarf aber durch Fortzug und ûnderung der Bevölkerungsstruktur nicht mehr vorhanden ist, wird über ein neues Nutzungsziel für dieses Grundstück diskutiert. Die S.T.E.R.N. GmbH, Sanierungsträger in Prenzlauer Berg, favorisiert in ihren drei Vorschlägen eine Voll- oder Teilbebauung durch private Investoren...

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Wikipedia: Schwedter Strasse

Schwedter Strasse

Szenenwechsel. Essay, in: ZERSAMMELT, Die inoffizielle Literaturszene der DDR nach 1990, Theater der Zeit, Recherchen 6, Berlin 2001. Siehe auch FAZ vom 17. März 2001

Szenenwechsel
Erinnerungen an die neunziger Jahre

...Am 1. Januar 2001 um 12 Uhr mittags wurde im Pankower Rathaus das neue Bezirksamt vereidigt. Prenzlauer Berg als Bezirk hat mit dem nun endgültig angebrochenen neuen Jahrtausend aufgehört zu existieren. Es war sogar noch schlimmer gekommen als vorausgeahnt. Eine heilige Allianz aus Pankowern hatte fern aller Parteien in der Bezirksverordnetenversammlung des neuen Großbezirks Prenzlauer Berg-Pankow-Weißensee mit einfacher Mehrheit geschafft, den Großbezirk in Pankow umzubenennen...

ZERSAMMELT, 2001


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